Keine Schnellstraße TVO durch die Wuhlheide - Rückwärts gerichtete Verkehrspolitik stoppen!

von Wolf Söllner

Eine lange Planungsgeschichte

Bereits 1969 - vor mehr als 50 Jahren - begannen die Planungen der Tangentialverbindung Ost in der DDR unter Herrschaft Walter Ulbrichts. Damals war vieles anders. Auch Ost-Berlin sollte Autostadt werden, Plastik war das Material der Zukunft und betonfarbene Plattenbauten eine tolle und effiziente neue Wohnform für Städter. Die Umweltschäden und die verkehrstechnischen Folgen der autoaffinen Verkehrspolitik wurden damals von niemandem bedacht. Heute unterstützen CDU und FDP dieses Projekt in den Stadtparlamenten.

Die aktuelle, zukunftsgerichtete Ausrichtung der Berliner Stadtentwicklung hin zu einer autofreien, grünen Stadt mit Fokus auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad- und Fußverkehr, die wir ab September im Parlament stärken und vorantreiben werden, steht diesem Projekt von gestern direkt entgegen: Die Tangentialverbindung Ost reißt eine etwa 30 Meter breite Schneise durch die Wuhlheide und zerstört damit große Teile des Berliner Naherholungsgebietes. Das Projekt resultiert in einen Verkehrsweg, der vor seiner Fertigstellung bereits obsolet sein wird. Dafür werden über 100 Millionen Euro ausgegeben, unzählige Bäume gerodet und Lebensräume zerstört.

Es ist bezeichnend, dass sich CDU-Bezirksverordnete, die dem Projekt zugewandt sind, offensichtliche Unwahrheiten verbreiten müssen, um ihre Position zu verteidigen - ihnen gehen die Argumente aus, oder liegt ihnen die Wahrheit grundsetzlich eher fern? Es wird aus der CDU in Marzahn unverhohlen behauptet, es würden für das Projekt keine Bäume gefällt - eine physikalische Unmöglichkeit - oder die Umweltprotestler wären von weither angereist und das vom Land Berlin geführte Projekt sei reine Bezirkssache. Diese Aussagen kommen dem Verschwörungstheoretikertum gefährlich nahe.

Die Zerstörung des Naherholungsgebiets Wuhlheide und die rückwärtsgewandte Straßenbaupolitik, in der R2G gegen ihr eigenes Zukunftskonept verstoßen, geht alle Berliner etwas an an. Deshalb sind wir am Sonntag, dem 25.04. für den Erhalt der Wuhlheide auf die Straße gegangen und haben die Position der Klimaliste Berlin über die Abgeordnetenhaus-Kandidierenden Denise Ney und Antonio Rohrßen vertreten.

Das Video dazu findet ihr auf Youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=WNhFMEGcKjI

Rede von Denise

"Ihr werdet mich auch schon mal gesehen haben bei Aktionen, ob mit in den Fridays-Demos, bei den parents4Future, aber auch bei Extinction Rebellion. Ich meine, es ist unglaublich: Auf meine alten Tage musste ich mich tatsächlich nochmal vom Potsdamer Platz tragen lassen.

Wie irre ist das eigentlich? Und warum mache ich das? Naja, ich hab zwei Söhne, die sind tatsächlich hier aufgewachsen. Die waren im FEZ, zu Märchen-Tagen oder zu FEZitty. Wir sind hier spazieren gegangen. Wir waren hier schwimmen. Und das ist das, was die Wuhlheide für mich ist. Wenn Leute, die was erzählen von neuen Technologien, vom Zukunftssort Adlershof oder Zukunftsort Schöneweide, dann mag das notwendig sein.

Aber der wahre Zukunftssort ist das, was wir hier sehen. Das ist der Zukunftssort für unsere Kinder. Wie irre ist das eigentlich, dass 14,6 Hektar Wald abgeholzt werden sollen - mitten in der Klimakrise. Wir stehen erst am Anfang, wir sind schon mittendrin. Wir stehen kurz vor der Klimakatastrophe.

Wir sind in Berlin schon über 1,5° Erderhitzung - das haben wir schon. Und all unsere Wälder und all unser Grün. Und ich meine in Köpenick, all unser Wasser, das sorgt dafür, dass wir überhaupt hier noch einen Stadtklima haben, dass wir die Sommer aushalten können.

Überlegt doch mal: Die letzten zwei, drei Sommer, gerade die Leute, die sich nicht leisten können, irgendwelche Klimaanlagen bei sich reinzustellen. Wie ist es denn da in den Wohnungen? Wenn ich von einer jungen Mutter höre, die sagt, "Ich war zu Tode erschrocken als meinem Kind die Fontanelle eingefallen war." Die Mutter - jede Eltern wissen, was das bedeutet, wenn sein Kind dann ins Krankenhaus muss. Das geht einfach nicht mehr.

Wir können hier nicht zu betonieren. Wir müssen Mobilität komplett neu denken. Wir müssen unsere Stadt neu denken. Und diese Stadt ist meine Stadt. Ich bin hier aufgewachsen. Berlin ist die ewig unfertige Diva. Wir haben uns immer verändert und wir werden es auch diesmal schaffen. Für die Zukunft, für die Zukunft unserer Kinder."

Rede von Antonio

"Vielen Dank Denise. Ich hab mich eben unterhalten mit den Anwohner:innen in Biesdorf und ich glaube, es ist wichtig, dass man diese Gespräche führt. Und ich hab mir erklären lassen, da war ein Herr, er geht jeden Tag eine Stunde im Stau. Er braucht sein Auto für die Arbeit. Ok. Glaub ich ihm.

Aber es ist ein Irrglaube zu denken, mehr Straßen würden dazu führen, dass es weniger Stau gibt. Es ist ein Irrglaube zu denken, mehr Straßen und mehr Spuren führen dazu, dass wir weniger Verkehr haben. Das ist Quatsch und das wissen wir mittlerweile.

Es ist so einfach zu sagen wie der CDU-Abgeordnete Herr Gräff: "Ja, ihr steht im Verkehr. Dat wollt ihr nicht? Ja. Dann bauen wir ja so'n sollen Betonmonster hin. Dann haben wir ja mehr Verkehrsfläche. Dann ist der Stau auch weg." Es ist Quatsch.

Die Zeit der einfachen Lösungen ist vorbei. Wir sind mitten in der Klimakrise. Die Zeit der einfachen Lösungen, wo man einfach ein neues Kohlekraftwerk baut, wo man einfach eine neue Autobahn baut - diese Zeit ist vorbei. Und das sage ich auch nicht nur an Herrn Gräff, sondern auch an unseren Senat, der die Klimanotlage verabschiedet hat.

Ein sehr symbolisches Dokument, für das ich Unterschriften gesammelt haben, mit vielen, vielen Freiwilligen. Und was ist daraus geworden? Sehr wenig. 2050 Klimaneutral. Die Natur will sagen: das ist Quatsch. Die reißt euch fast das Plakat weg. Das ist absoluter Quatsch.

Und deshalb zum Schluss - ich will jetzt nicht mehr so viel reden - lasst uns gemeinsam Berlin klimaneutral und klimapositiv machen. Lasst uns das bis 2030 schaffen, damit wir das 1,5°-Limit überhaupt noch halten können. Global. Vielen Dank Leute, ihr seid alle wunderbar, ich bin Antonio von der Klimaliste. Vielen Dank!"

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